Projekt........................................Janek Sliwka



 


 

Kasbek

Prometheus - Kaukasus - Prometheus

Seitdem ich das erste Mal die griechische Sage von Prometheus gelesen habe, bin ich vom Kaukasus begeistert. Damals sah ich ihn als das Ende der Welt, nicht nur wegen der Strafe, die Zeus, der Vater aller hellenischen Götter, über Prometheus verhängte, sondern auch wegen der anderen Helden der Griechen, die in dem Hochgebirge ihre Taten vollbrachten. Der Titan Prometheus - in der griechischen Mythologie brachte er den Menschen das Feuer und wurde dafür an den Kaukasus gefesselt, wo jeden Tag ein Adler erschien und ihm die Leber aushackte. 


Während all der Jahre, in denen ich viele Berge und Bergmassive durchwanderte und bestieg, haben mich der Kaukasus und Prometheus nicht in Ruhe gelassen. Vor allem dachte ich an das unerklärliche Gebirge, das ein Geheimnis verborgen hält. Mit einer Expedition dorthin könnte ich 

es lüften und die Stelle - den Felsen - finden, wo der Titan angekettet wurde. 

Ich machte mich daran, mehr über den Ort des Sagengeschehens herauszufinden. So bin ich auf das Buch von Alexandre Dumas "Gefährliche Reise durch den wilden Kaukasus" gestoßen, aus dem ich mir erhoffte, Näheres über den Kaukasus zu erfahren.
Einen konkreten Hinweis habe ich nicht gefunden, dafür aber festgestellt, dass der Kaukasus eine der vielfältigsten Regionen der Welt ist. In keiner Gegend der Erde gibt es so viele Sprachen und Kulturen wie im Kaukasus, dem Hochgebirge zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, das schon seit jeher viele Schriftsteller und Dichter - Lermontow, Puschkin, Tolstoi, Nansen, Mandelstam, Dumas, um nur einige zu nennen - angezogen hat. Eine Faszination, der ich nicht widerstehen konnte. 

Ein anderes Buch stellt die Verbindung zwischen dem, womit ich mich in der Kunst beschäftige, und dem kaukasischen Geheimnis her. Es ist das Buch von Brigit Kämper und Thomas Tode "Chris Marker Filmessayist", in dem die Arbeitsweise Chris Markers, eines Begründers des Genres Filmessay, beschrieben wurde. Sie begeisterte mich so sehr, dass die Idee eines Filmessays über den Kaukasus entstand. In den filmischen Arbeiten Markers steht das Wort gleichberechtigt neben dem Bild. Die gesprochenen Texte haben literarische Qualität, sind jedoch in dokumentarische Situationen eingebettet. Mein Anliegen ist, eine Bild- Wort- Reise durch das sagenumwobene Gebirge zu unternehmen, eine Dokumentation zu schaffen, bei der die eigenen Texten das Geschehen unterwegs begleiten. 

Ich möchte die Route des französischen Schriftsteller Alexandre Dumas nachreisen und dabei das Material zu einem Filmessay sammeln - ein Essay über den Kaukasus, über die Menschen, die Landschaft, die kaukasischen Sitten und das, was von der Prometheus-Sage in den verschiedenen Kulturen bekannt ist. Ich will die Geschichten aufspüren, die all diese Kulturen bis ins neue Jahrtausend überliefert haben. Und vielleicht findet sich zwischen den Ereignissen, die mich dort erwarten, ein Hinweis auf - Prometheus.